Projekt „hand-greiflich“ der Klasse 3b

 

Da wir in den ersten beiden Schuljahren immer wieder große Probleme mit Team- und Kooperationsfähigkeit hatten, einige Kinder zu wenig, andere zuviel Selbstbehauptung zeigten und auch durchaus Bedarf in der Förderung der Kommunikationsfähigkeit einzelner Kinder bestand, entschlossen wir uns, das Team hand-greiflich zu bitten uns zu helfen.

Team Hand-greiflich steht in diesem Fall für:

  • Hand in Hand
  • Greifen begreifen
  • Fassen erfassen
  • Berühren berührt

Mit dem Untertitel: Individuelle Konzeption und Durchführung von Projekten zur Förderung sozialer Kompetenzen.

Lange bevor es in der Woche vor den Herbstferien losging, saßen Frau Kurek-Hensolt und ich mit dem Teamer Sven zusammen um unser individuelles Konzept zu erarbeiten. (Wobei das Projekt insgesamt ein Prozess ist, d.h. täglich trugen wir während der Projektwoche unsere Beobachtungen zusammen um darauf aufbauend den folgenden Vormittag detailliert zu planen.)
Der Klasse hatte ich ein bisschen erklärt worum es ging. Da aber vieles vom Verlauf eines Vormittags abhing, konnte ich nicht so genau sagen, was da auf uns zukommen würde. Jedenfalls waren wir alle sehr gespannt.

Und dann war es endlich soweit: Ausgerüstet u.a. mit Seilen, leeren Wasserkästen, einem bunten Fallschirm und einem Plüschelch (dem wir den Namen Rudi gaben) kamen Norbert und Sven für vier Tage zu uns. Rudi war übrigens das „Redetier“, d.h. nur wer ihn in der Hand hielt durfte etwas sagen.

Erst einmal lernten wir uns alle kennen. Dazu saßen wir im Stuhlkreis; jeder  sagte seinen Namen und sein Lieblingstier und musste dieses von jeweils drei vorher Sitzende sagen. Zum anschließenden „Namensduell“ wurden zwei Mannschaften gebildet. Zwei Spieler saßen sich gegenüber, konnten sich aber nicht sehen, weil die Teamer den Fallschirm als Sichtschutz dazwischen hielten. Wenn dieser fiel, musste die beiden ganz schnell Name und Lieblingstier des Gegenübers nennen. Wer es zuerst wusste, holte den anderen auf seine Seite.               

An diesem Tag spielten wir auch noch die Spiele „Hochwasser“ und „Schatzsuche“. Wichtig war bei allen Aktivitäten, dass niemals ein Kind allein Sieger sein konnte. Entweder das gesamte Team erreichte das Ziel oder niemand. Viele der Schülerinnen und Schüler erlebten diese Form des Wettkampfs zum ersten Mal.
Bei „Hochwasser ging es übrigens darum, dass sich die ganze Klasse auf ein Zeichen hin auf die umgedrehten Wasserkisten „retten“ musste. Mit 11 Kisten und 21 Kindern klappte es noch recht problemlos, aber dann wurden Kisten weggenommen und gemeinsam mussten alle (denn wenn es zu schwer wurde, halfen die Teamer) nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Als die gesamte Klasse auf 6 Kisten stand, wurde das Spiel mit der Begründung beendet, dass am Ende immer ein Erfolgs-erlebnis stehen soll.                                    

Zur „Schatzsuche“ wurden kleinere Gruppen gebildet, die auf den Grünflächen vor der Schule gemeinsam Aufgaben lösen mussten um einen Schatz zu finden, den wir dann alle gemeinsam verspeisten.        

Aber an diesem wie auch an den folgenden Tagen wurde nicht nur gespielt sondern auch eine Menge geredet und diskutiert, Themen waren u.a.:

  • Wie wohl fühle ich mich in der Klasse?
  • Was kann ich gut / nicht so gut?
  • Was können Mädchen / Jungen gut oder nicht so gut?
  • Was nervt mich an den anderen?
  • Was kann ich tun um das Klassenklima zu verbessern?

Manchmal wurde die Klasse auch geteilt, um in kleineren Gruppen besser arbeiten zu können.
Auf diese Weise entstanden Merkposter und „Verträge“ für die Zukunft, denn wir wollen uns doch an vieles erinnern, was wir gelernt haben.

Auch an den anderen Tagen lernten wir noch viele interessante Spiele kennen, z.B.:  
 

  • Beim „Ampelspiel“ standen die Gruppen in einer Reihe und nur das letzte Kind

konnte erkennen,  zu welcher Farbe das Erste laufen sollte. Aber diese  Information musste ohne Worte weitergegeben werden.

  • Zum „Krokodilssumpf“ wurden an den Bäumen in der Nähe der Schule Seile gespannt über die man nur mit gegenseitiger Hilfe balancieren konnte.
  • Die „Polarexpedition“ brachte die Teilnehmer auf ihren Eisschollen (=Wasserkästen) nur dann ans sichere Ufer, wenn sich Kinder eine Scholle teilten um eine andere frei bewegen zu können.
  •  Mitten im „Säuresee“ (=Fallschirm) lag Rudi und als Hilfsmittel zur Rettung gab es nur ein Seil und einen Baum. Was also war zu tun?
  • Über den „Lavastrom“ konnte man nur gelangen, wenn der nächste Spieler mit einem Fuß schon das Brett festhielt auf dem man sich gerade befand, sonst schwamm es davon.
  • Eine Hälfte der Klasse stand beim „Schlangensumpf“ nebeneinander auf einer Sportbank, dann sollte sich die Gruppe nach dem Alphabet ordnen.

Am letzten Tag stellten wir u.a. alle Stationen der vier Tage noch einmal in Gruppen pantomimisch da.
Im Abschlussgespräch benannten die Kinder auch Dinge, von denen sie wollten, dass sie unbedingt in diesem Bericht auftauchen sollten:
„Wir haben viele schöne Spiele gespielt und überhaupt tolle Sachen gemacht.“
„Gegenseitiges Helfen hat Spaß gemacht und dadurch haben wir auch neue Freunde gefunden.“
„Ich fand es interessant, als wir mal in eine Mädchen- und eine Jungengruppe getrennt waren.“
„Das es Spiele ohne Gewinner gibt finde ich ganz toll.“
„So eine Woche können wir weiterempfehlen, würden es aber gern auch noch einmal machen.“

 

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Inzwischen sind die Herbstferien und einige Schulwochen vergangen. Die Verträge und Plakate hängen natürlich noch im Klassenraum und bei Bedarf kann darauf hingewiesen werden. Bisher gibt es aber wenig Anlässe und auf die Frage am Ende einer Woche ob es denn Probleme gegeben hätte, bekomme ich meistens ein klares:
„Es ist alles in Ordnung.“

K. Konzel-Rietbrock